Das Massengrab an der Haberberger Trinitatis-Kirche

Haberberger Kirche.

In Königsberg plant die Firma „BaltStroyInvest” ein neues „Business Center“ mit Tiefgarage auf dem ehemaligen Friedhof der Haberberger Trinitatis-Kirche zu bauen.

Es ist eine genaue archäologische Untersuchung der Kriegsopfer an der ehemaligen Haberberger Kirche notwendig, da ansonsten eine Zerstörung der Grabstätte durch Bagger und Tiefbaumaßnahmen, sowie eine unsachgemässe Entsorgung der Überreste von vielleicht sogar gefallen Wehrmachtssoldaten, aber vor allen von Zivilisten, die an Totschlag und Seuchen starben, möglich ist. Hier sieht man die Animation des Centers:

https://www.newkaliningrad.ru/realty/news/9183618-zastroyshchik_khochet_pristroit_novyy_administrativnyy_tsentr_vplotnuyu_k_domu_iskusstv_foto.html

An selber Stelle befindet sich ein Massengrab vor der grünen Wiese der ehemaligen Haberberger Trinitatis-Kirche. Auf den Ruinen der Kirche steht heute das Kino „Oktyabr“. Es handelt sich um tote Königsberger Zivilsiten vom St. Katharien-Krankenhaus Oberhaberberg 19-20, welche zur Seuchenbehandlung dort stationiert waren.

Da Informationen über die Nachkriegsgeschichte Königsbergs für Russen kaum zugänglich sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Behörden in heutigen Kaliningrad nicht wissen, an welchen Stellen sich Massengräber der Epedemien von 1945 -1947 befinden.

Und hier ist der jetzige Zustand zu sehen. Die Hügel auf dem Gelände könnten Teil eines 1945 angelegten und bis 1947 genutzten Massengrabes sein.

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Die Koordinaten des Massengrabes sind: 54°41’47.11″N 20°30’9.79″E. (Leninsky Prospekt 155, Kaliningrad). Das Business Center soll auf diese Fläche gebaut werden.

https://www.newkaliningrad.ru/realty/news/9101888-v_kaliningrade_baltstroyinvest_nameren_vozvesti_delovoy_tsentr_okolo_doma_iskusstv.html

.https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=ru&u=https://www.newkaliningrad.ru/realty/news/9167000-oleg_shkil_okolo_doma_iskusstv_planiruem_postroit_kinoteatr.html&prev=search

http://kaliningrad.rubuilds.net/info/205/3227924.

Ermittelte Hinweise von Zeitzeugen:

Professor Wilhelm Starlinger war Leiter der Seuchenkrankenhäuser von Königsberg.

Seine Statistik über die Sterberate und Zustände in Königsberg können in dem Buch nachgelesen werden: W. Starlinger, Grenzen der Sowjetmacht, Würzburg 1954.

1945 brach eine Typhusepidemie aus, die im September 1945 ihren Höhepunkt erreichte. Bis zum Spätsommer 1946 wurden 8.000 Typhuskranke behandelt. Eine Fleckfieberwelle dauerte vom Herbst 1945 bis zum April 1946. Im Spätsommer 1946 brach eine Malariawelle über Königsberg herein. Bis Oktober 1946 nahmen die Krankenhäuser in Königsberg 6.000 Malariapatienten auf.

Das Städtische Krankenhaus wurde geplündert und hatte fast keine Medikamente, ein paar Stockwerke wurden angesteckt und schließlich wurde der Hauptzeuge und Hauptarzt Starlinger in den Gulag verschleppt. Es wurde 1945 nicht gesäht und auch nicht geerntet under der Militärverwaltung. Sowchosen wurden Juli 1945 beantragt, und waren erst am 15. Februar 1946 fertig gestellt. 70.000 Königsberger verloren ihr Leben. Auch führte die Monate andauernde Plünderung der Stadt dazu, dass kein Schutt weggeräumt wurde, keine Kanalisation funktionierte und kein Abfall entfernt wurde und sich Ratten und Krankheitserreger in erheblich Maße in der Stadt ausbreiten konnten. (Quelle: Die Königsberg Papiere).

Elisabeth Schulz-Semrau erinnert sich an den Ort des Massengrab mit den Seuchentoten:

Meine Mutter hatte am 19. Juli ausgelitten gehabt. Ich hatte sie zuletzt noch in das Sankt Katharinen Krankenhaus auf dem Oberhaberberg bringen können, und dort ist sie daneben vor der Kirche in einem Massengrab mit kirchlicher Einsegnung bestattet worden. Auch die erwähnte Lieblingstante ruhte dort bereits.“ Wer gibt uns die Träume zurück: Schicksal Ostpreußenvon Elisabeth Schulz-Semrau, S. 136.

https://books.google.de/books?id=9mENBAAAQBAJ&pg=PA136&dq=Oberhaberberg+Massengrab&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjWy7mx3tHMAhWImBoKHUHaDz8Q6AEIHTAA#v=onepage&q=Oberhaberberg%20Massengrab&f=false

Hugo Linck beschreibt, wie die Toten mit Karren zu den Massengräber gebracht wurden.

Ein Angehöriger meldete den Verstorbenen mit seinen Personalien beim Pfarrer an. Das von der russsichen Kommandantur eingesetzte Beerdigungskommando holte die Leichen auf einem zweirädigen Karren aus den Wohnungen ab. (…) Die Toten waren in schlichte, graue Decken gewickelt und mit Bindfaden verschnürt.“ Hugo Linck, Königsberg 1945 – 1948. Im feuer geprüft, S. 29.


Herbert Marzian ergänzt im Ostpreußenblatt: „Der Tod in Königsberg 1945–1947. Ostpreußenblatt, 20. August 1955:

Von 110.000 Einwohnern starben bis Juni 1945 bis zu 25.000 an Krankheit oder Totschlag. Pro Monat kamen 12.000 Tote hinzu. Nach Berechnungen von Starlinger, dem Leiter der Seuchenkrankenhäuser, lebten im März 1947 höchstens noch 25.000.“ http://www.ahnen-gesucht.de/Members/inge4013/ostpreussische-nachrichten/ostpreussenblatt/ostpreussenblatt-folge-34-vom-20.08.1955

Hans-Georg Tautorat berichtet über die Errichtung eines Massengrabes des Städtischen Krankenhauses: „Die Leichen wurden dicht an dicht hineingelegt und mit Kalk überstreut. Schicht um Schicht, dann wieder Kalk und Erde. Ein darauf gestelltes Kreuz bezeichnet die Letzte Ruhestätte von etwa vierhundert bestialisch zu Tode gemarterten Menschen, deren einzige Schuld es war, deutsch oder eine Frau zu sein. Wer in jenen Tagen des Grauens Angehörige im Städischen Haus verloren hat, möge sie unter diesem Kreuz wissen (…).“ Königsberg in Preussen: Geschichte, Kultur, Schicksal, S.176.

https://books.google.de/books?id=iE5pAAAAMAAJ&q=krankenhaus+K%C3%B6nigsberg+massengrab&dq=krankenhaus+K%C3%B6nigsberg+massengrab&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjPusHj3tHMAhWCVRoKHUwIDLQQ6AEIIjAB

Die Massengräber von Königsberg sind Ausdruck der sowjetischen Gewaltherrschaft. Je Massengrab könne jeweils bis zu 5000 Zivilsiten liegen, bei einer Sterberate von 12.000 Toten pro Monat. Also haben die Gräber Ausmaße eines Katyn-Massengrabes. Sie sind bedeutend für die Europäsiche Geschichtsforschung, denn die Seuchen geschahen nicht als Unfall in der Geschichte, sondern sind durch bewusste Hungerrationen an deutsche (400g Brot am Tag nur für Arbeiter und für Schwache gar nichts) hervorgerufen worden.

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