Todesmärsche zu NKWD Lagern, Verhören nach der Kapitulation 1945

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Nach der Kapitulation Königsbergs wurden die Zivilisten zusammengetrieben und mussten in Kolonnen  in das Samland marschieren. Das NKWD hatte in den Gutshäusern rings im Norden Königsberg Verhörlager eingerichtet. Die Zivilisten wurden in wochenlangen Märschen über Felder zu Bauernhöfen und Scheunen geführt. Schwache wurden außerhalb des Lagers den Straßengräben überlassen. Die Straßen waren dem Militär überlassen. In der Zwischenzeit wurde die Stadt Könisgberg geplündert und was nicht mitgenommen werden konnte, wurde zerstört.

Auf der Sammelstelle der Cranzer Allee kam es auf der östlichen Seite der Straße mit den zwei stöckige Häusern zu zahlreichen Vergewaltigungen.

Lager Rothenstein Königsberg:

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Verantwortliche des Lagers Rothenstein:

Bogdančikov, Vladimir Petrovič
Geb. 1910 in Orël, Vater Setzer (1919 verst.). Russe. Seit November 1939 Mitglied der Kommunistischen Partei. Tod 1970 in Rostov am Don.
Beruf: (…) 05-07/45: Stv. Leiter des NKVD-Operativsektors Königsberg für operative Arbeit.

Kurov, ll`ja Vasil`evič
Geb. 1898 in Pavlicha, Kreis Ostaškov (…)
Seit Oktober 1930 Mitglied der Kommunistischen Partei. Tod 1955 in Leningrad.
Beruf:
(…) In Ostpreußen: 03-05/45: Leiter des NKVD-Operativsektors Königsberg, Rastenburg (…).

Quelle: Petrov, N., Die sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter in Deutschland (Berlin 2010), 150-152; 153 ff.

Bildliste in Gefangenschaft verschollener deutscher Zivilisten des Lagers Rothenstein:

Suche per Standort ⇒ Rothenstein ⇒ KA 382 und folgende Seiten ⇒ Band: KA 382; Seite 382 ⇒ Bildliste finden.

Auf den Link klicken: http://193.159.223.62:8081/vbl/Standort/ST.aspx

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst Bildliste in Gefangenschaft Verschollener Nachtrag KA-KK Leitverzeichnis Lager.

Die Königsberger wurden in den Autogaragen interniert.

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Sie werden auch  die Autohallen der Cranzer Allee genannt.Rothenstein

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Benecken Kaserne Rothenstein, jetzt aufgegeben.

Ein Massengrab von 1945 befindet sich an der Kasernenhecke unweit der Straße, dann in den Laufgräben, nahe den Latrinengräben. Heute liegt es auf dem freien Feld rechts von den Autogaragen.

Hugo Linck war ein deutscher Pastor der Löbenicht Gemeinde, der es vorzog bei seiner Gemeinde bis bis 1948 zu bleiben und das Lager Rothenstein miterlebte.

Hugo Linck, Königsberg 1945 – 1948 und Im Feuer geprüft, S.14 – 22.

„Nach langem Warten wurden wir Männer in Fahrzeughallen – es gab im ganzen neun, die wir Baracken nannten – untergebracht, die Frauen in Kasernen, später auch in einer Baracke. Auf bloßem Zementfußboden mußten wir liegen. Ich hatte kein Glück, nur ein winziges Fleckchen Fußboden stand mir zur Verfügung, dicht am Rande der Abschmiergrube, die als Abort diente und es war so eng, daß meine Beine vom Knie abwärts über dieser scheußlichen Grube schweben mußten. Auf allen vier Seiten waren die Fensterscheiben zerbrochen, was übrigens in allen Baracken der Fall war, in einer war außerdem ein großes Granatloch im Dach. (…)

Bei Dunkelwerden wurden die Türen verschlossen und erst morgens um sechs Uhr wurden sie wieder geöffnet. (…) So wurden Latrinen gebaut. Zwischen je zwei Baracken lag ein Hof, nach der anderen Seite hin war ein schmaler Raum frei. Diese wurden zu Latrineanalgen benutzt. (…)

Es gab Hungerrationen. Vom 9. bis zum 14. April waren die Männer in den Autogaragen schlicht vergessen worden und es gab kein Brot!

(…) „Sonnabend den 14., gab es die erste Verpflegung, nämlich zwei Scheiben getrocknetes Brot , etwa 200 g; von Sonntag ab gab es noch etwa ½ Liter dünne Suppe, und späterhin auch ein Esslöffel Zucker.

Außerdem wurde aus nur einer Wasserpumpe viel zu wenig Wasser für tausende Eingesperrte verteilt.

„Zu trinken bekamen wir nichts. Das war für viele eine besondere Not. Zwar ging aus jeder Baracke ein Kommando mit Gefäßen zu einer in der Nähe des Bahnhof Rotenstein stehende Pumpe; aber es war für die Menge Menschen einfach zu wenig, was dort mühsam gepumpt und mitgebracht werden konnte.“ (…)

Als Pastor hielt Linck Andachten und kümmerte sich um Beerdigungen.

„Es konnte nicht ausbleiben, daß der Tod seine Ernte begann. Sobald einer seinen letzten Atemzug getan, wurde auch schon seine Beerdigung in Angriff genommen.

Kameraden luden ihn auf eine Trage, und ich ging mit ihnen durch die Postenkette zu dem bestimmten Platz.

Zunächst hatte ich die Möglichkeit. innerhalb des Kasernengeländes eine mir geeignet erscheinende Stätte auszusuchen.

Das war an einer Hecke unweit der Straße.

Dann aber bestimmten die Russen, die Leichen sollten in den Laufgräben versenkt und mit Erde beschüttet werden.

Am äußersten Ende fingen wir damit an. Aber wir kamen nur zu schnell der Stelle näher, wo die Russen die Gräben zu Latrinenanlagen benutzt hatten. (…)

Meine Kameraden fertigten aus Zaunlatten Kreuze an, die mit den Namen der Verstorbenen versehen auf die Grabhügel gepflanzt wurden. Aber immer fanden wir am anderen Tage die Kreuze ausgerissen vor. So unterblieb schließlich diese gute Christensitte.“

Polenbanden trieben ihr Unwesen und raubten die Toten aus.

„Immer wieder wurden Klagen laut über polnische Übergriffe und Gewalttaten. Ein kleines Erlebnis: Zu irgendwelchen Arbeiten wurden täglich Männer ausgesucht.

Das besorgte ein Polenjunge von 15 oder 16 Jahren, der etwas Deutsch konnte. Stieß der auf Widerstand, daß ein von ihm bezeichneter Mann sich als krank ausgab oder nicht schnell genug aufstand, so schlug er ihn mit dem Stock auf den Rücken oder gar ins Gesicht. Das empörte mich, so wie mich die feige Art meiner Kameraden bedrückte. die sich diese Stockprügel von einen Jungen gefallen ließen. Als er an meinem Platz vorbeiging, den Stock geschultert, griff ich schnell danach; leider hielt er ihn zu fest. So gab es ein Ringen um den Stock, den er aber nach einiger Zeit losließ. Diese Verwarnung als solche hatte ich mir meinen Zugriff gedacht – hatte den Erfolg, daß sich der Polenjunge lange Zeit nicht mehr bei uns blicken ließ.“

NKWD Lager Gutshof Goldschmiede bei Fuchsberg. Hier war ein Verhör- und Registrierungszentrum eingerichtet worden. Die Frauen wurden von den Männern getrennt und übernachteten in der Scheune links von der Straße. Am Abend kamen die Rotarmisten und suchten mit Lampen ihre Opfer. Es kam zu zahlreichen Massenvergewaltigungen.

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Heute ist hier ein Museum, welches an den Kommandanturstandort der 43.-Armee erinnert.

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Links von der Straße steht immer noch die Scheune des Tatorts.

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Verhörzentrum Gutshof Karmitten

Karmitten in Ostpreußen

Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen in den Wirtschaftsgebäuden.

Verhörzentrum Gutshof Corben beim Gut Trentitten.

Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen in den Wirtschaftsgebäuden.

Sammelstelle auf Gut Pr. Arnau. Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen.

Verhörzentrum Schloss Waldau. Die Zivilisten wurden in der Kommandantur untergebracht.

 

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